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29.07.2013

Papst bei Kreuzweg: Jesus ist in Leid und Not immer nahe

Aufruf gegen die Verschwendung von Lebensmittel.

Papst Franziskus hat die Jugendlichen der Welt zu Mitleid, Barmherzigkeit und Nächstenliebe aufgerufen. In der Haltung gegenüber dem Mitmenschen sei Jesus das Vorbild, sagte der Papst am Freitag, 26. Juli 2013, beim Kreuzweg zum Weltjugendtag in Rio de Janeiro. Jesus lehre jeden, "den anderen immer mit Barmherzigkeit und Liebe zu betrachten - vor allem den, der leidet, der Hilfe braucht, der auf ein Wort, eine Geste wartet - und aus uns selbst herauszugehen, um ihm entgegenzukommen und ihm die Hand zu reichen."

 

Die Kreuzweg-Meditationen verbinden die traditionellen 14 Stationen des Leidens und Sterbens Jesu mit Anliegen und Leiden heutiger Jugendlicher. Die Feier gehört traditionell zu den liturgischen und emotionalen Höhepunkten des Weltjugendtages. 280 Schauspieler und Laiendarsteller aus vielen Nationen stellten vor der Papstbühne die 14 Stationen der Passion Christi an der Strandpromenade von Copacabana in aufwendigen Theaterszenen nach. Zentrum des Abends bildete ein Holzkreuz, das neben der Marienikone das zentrale Symbol der Weltjugendtage ist und vor dem Treffen zwei Jahre lang durch Brasilien unterwegs war.

 

Für die Opfer der Wirtschaftskrise

Eigens zum Kreuzweg eingeladen hatte Franziskus etwa 35 Müllsammler aus seiner Heimat Argentinien, die mit ihm auf der Bühne saßen. Schon an der Amtseinführung von Papst Franziskus Mitte März hatte ein Vertreter dieser "Cartoneros", Sergio Sanchez, im blauen Arbeitsoverall teilgenommen. Allein in Buenos Aires leben nach Angaben vatikanischer Medien 9.000 Menschen vom Müllsammeln und -trennen. In ganz Argentinien sind es 100.000, die meisten Opfer der argentinischen Wirtschaftskrise von 2001.

 

Vor mehreren hunderttausend Gläubigen erinnerte Franziskus nun an die Menschen, die unter schwerer Not wie Hunger, Verfolgung, Elend oder Drogensucht litten. Aber auch an jene, die existenziellen Zweifeln ausgeliefert seien.

 

Nähe auch zu den Glaubensfernen

Die Menschen könnten wie Pilatus sein, der seine Hände in Unschuld wasche und nicht den Mut habe, das Leben Jesu zu retten. Oder sie könnten sein wie Simon, der dem Verurteilten auf dem Weg zur Kreuzigung helfe, den schweren Balken zu schleppen; oder auch wie die Frauen, die Jesus ohne Angst bis zur Hinrichtung mit Liebe und Zärtlichkeit begleiteten, so Franziskus.

 

Jesus sei den Menschen in ihrem Leiden und ihrer Not immer nah, sagte der Papst. Das gelte auch für jene, die sich aus Enttäuschung vom Christentum abgewendet hätten. Durch sein Leiden und seine Auferstehung bleibe er auch mit denen verbunden, "die ihren Glauben an die Kirche und sogar an Gott verloren haben wegen der Unlauterkeit von Christen und von Dienern des Evangeliums". Er stehe auch den Jugendlichen bei, die kein Vertrauen mehr in die politischen Institutionen hätten, weil sie nur noch Egoismus und Korruption darin sähen.

 

Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln

Für alle Menschen in schwerer Not bleibe der auferstandene Christus ein Begleiter, der sie niemals alleine lasse. Gerade ihnen wolle Jesus die Hoffnung bringen, erklärte der Papst. "Durch das Kreuz verbindet Jesus sich mit dem Schweigen der Opfer von Gewalt, die nicht mehr schreien können, vor allem mit den Unschuldigen und den Wehrlosen; durch das Kreuz verbindet Jesus sich mit den Familien in Schwierigkeiten, die den Verlust ihrer Kinder beweinen oder daran leiden, dass sie sie in den Fängen künstlicher Paradiese wie der Droge sehen; durch das Kreuz verbindet sich Jesus mit allen Menschen, die Hunger leiden in einer Welt, die täglich tonnenweise Lebensmittel wegwirft", sagte der Papst.

 

Franziskus erinnerte auch an Menschen, die wegen ihrer Religion, ihrer Meinung oder wegen ihrer Rasse verfolgt würden. Auch ihnen sei Jesus nah und wolle ihre Sorgen und Nöte teilen. "Mit ihm hat das Böse, haben Leiden und Tod nicht das letzte Wort." Er ermutigte die Jugendlichen, ihr Leben Jesus anzuvertrauen, denn er sei "einer von uns". Bei ihm fänden die Menschen "ein offenes Herz, das uns versteht, uns verzeiht, uns liebt und uns bittet, diese selbe Liebe in unser Leben hineinzutragen, jeden unserer Brüder und Schwestern mit ebendieser Liebe zu lieben".

 

Zerstörerische Säkularisierung

Jede der rund über einen Kilometer verteilten 14 Stationen des Kreuzweges, die an der Tribüne des Papstes mündeten, war einer speziellen Bitte gewidmet. So sagte etwa ein junger Mann, der an der zehnten Station die "Internet-Generation" darstellte, dass soziale Netzwerke ein Weg für "echte Beziehungen" sein könnten, ebenso jedoch ihre Nutzer zu Geiseln einer "Kraft der Zerstreuung" werden könnten, die Jugendliche ihrer Identität beraube. Sein Gebet: "Möge uns deine Gnade Wege lehren die frohe Botschaft auf dem digitalen Kontinent zu verkündigen".

 

Die letzte Meditation des Kreuzwegs enthielt eine Bitte für alle Kontinente. Für Lateinamerika hieß es: "Mögen Lateinamerika und die karibischen Staaten Wege finden, Gewalt und Ungerechtigkeit zu überwinden". Für Europa: "Möge Europa die zerstörerische Welle der Säkularisierung durch eine mutige Glaubensverkündigung überwinden."